Angst vor der Geburt – über eine Motivation zur Louwen-Diät

Angst vor der Geburt – hilft die Louwendiät

Als ich 2021 das Geburtshaus zum finalen Aufklärungsgespräch betrat – wenige Wochen vor der Geburt – wurde mir schon ein bisschen anders. Ich hatte davor eigentlich nie Angst vor der Geburt gehabt, obwohl ich durch meinen Beruf viele Schauergeschichten gehört hatte. Aber als meine Hebamme alle „Worst-Case-Szenarien“ mit uns durchging, setzte sich plötzlich, ganz still und leise die Angst zu uns an den Tisch und bediente sich am Kräutertee.

Warum ich heute dankbar bin, dass ein bisschen Angst vor der Geburt dabei war, ob mir die sogenannte Louwen-Diät* helfen konnte und etwas, was du bestimmt nicht über Angst wusstest – das alles findest du in diesem Blogartikel. Davon handelt dieser Post:

  • Die Magie der Motivation
  • Warum ein bisschen Angst ganz gut sein kann
  • Warum die Louwen-Diät auch Angst machen kann
  • … und warum ich immer wieder die Louwen-Diät machen würde

Die Magie der Motivation:

Ich glaube, niemand zeigt gerne Schwächen. Schon gar nicht, wenn man sich in so einer verletzlichen Situation (und hormonellem Zustand) befindet, wie wenn man schwanger ist. Heute weiß ich, dass Ängste wichtig sind (dazu komme ich gleich), sofern sie nicht zu stark und einnehmend sind. Und wer sich seiner Ängste bewusst ist und sie lesen kann, hat gar keine Schwäche. Im Gegenteil: Ängste weisen uns auf ungeklärte Themen hin. Diese zu erkennen und danach zu handeln, macht uns stark. Wer seine Ängste also wahrnehmen, erklären und kommunizieren kann, hat ganz eindeutig eine Stärke. Keine Schwäche.

Die Louwen-Diät aus Angst vor Schmerzen unter der Geburt

Trotzdem, auch ich kann ehrlich sagen, dass ich erst nach der Geburt verstanden habe, dass ich die sog. Louwen-Diät auch gemacht habe, weil ich Angst vor einer schlechten Geburtserfahrung hatte. Angst davor, von mir selbst enttäuscht zu sein.

Motivation zur Louwen-Diät war Angst vor der Geburt


Auf Instagram habe ich gefragt, was bei anderen Frauen die Motivation hinter der Louwen-Diät war oder ist. Und die Antworten zeigen zwei Motivations-Typen1:

  • A: Das Wollen – z. B. Gesundheit
  • B: Das Vermeiden – z. B. Schmerzen

Adrenalin – Kick oder Killer? Es kommt drauf an …

Tatsächlich ist es interessant, dass diese Motivationstypen in der Verhaltensspychologie meist am Anfang eines neuen Verhaltens stehen, es gibt nämlich noch einen dritten Typ. Und Prof. Esch (Mediziner, Neurowissenschaftler und Gesundheitsforscher) erklärt auch, warum das Sinn macht.1

In diesem Zustand (A & B, Wollen und Vermeiden) nämlich, sind wir laut Esch (2018) hormonell von Adrenalin angetrieben.1 Und wer im Geburtsvorbereitsungskurs gut aufgepasst hat, weiß, dass Adrenalin das Kuschelhormon (und wichtiges Geburtshormon) Oxytocin verscheucht. Aber Halt! Wer jetzt denkt, „Auweia, bloß mit der sog. Louwen-Diät aufhören“, sollte sich von meinem nächsten Fragen-Sticker auf Instagram inspirieren lassen.

Ich habe gefragt, ob Frauen die sog. Louwen-Diät auch an ihre Freundin empfehlen würden. Und die Antworten sind eindeutig. Spannend ist jedoch, dass sich hier – gegenüber der ersten Frage oben – die Gründe für die Motivation geändert haben (Achtung, die Frauen waren natürlich nicht die selben wie bei der ersten Frage).


Nun kann man vielleicht sagen, dass es daran liegt, dass eine Geburt auch mit der sog. Louwen-Diät anstrengend und kraftvoll ist und die Frauen deswegen nicht sagen: „Klar! Die Louwen-Diät hat mir alle Schmerzen genommen!“ Stimmt vielleicht. Was aber total interessant ist: Für die meisten Frauen hat sich das neue Verhalten – die sog. Louwen-Diät – (trodtzem) gelohnt! Wie kann man das erklären?

Eine Vermutung ist in jedem Fall, dass im Laufe der Umsetzung der sog. Louwen-Diät ein dritter Motivations-Typ übernommen hat1: Der Typ Nicht-Wollen. Oder wie Deci & Ryan (1985)2 es nennen – die intrinsische Motivation. Das bedeutet so viel wie, dass das Verhalten an sich zufrieden stellt, weil es einfach gut tut. „Nicht-Wollen“ ist in dem Fall also nicht gleich „Vermeiden“, sondern es ist mehr eine Art Zustand, in dem man nichts mehr hinterfragt, sondern sich einfach ausgeglichen fühlt. Alles okay ist.

Im Oxytocin-Rausch – das Nicht-Wollen als Glückseligkeit

Prof. Esch erklärt in seinem Buch Der Selbstheilungscode (2018)1 dass in dem Zustand des Nicht-Wollens neurobiologisch das Hormon Oxytocin vorherrscht. Oxytocin reduziert Stress und erhöht die Bereitschaft, Nähe zu suchen (Nestbautrieb), es ist wie ein innerer Friede, Glückseligkeit. Ein Zustand, der sich geradezu perfekt für eine anstehende Geburt anhört, finde ich.

Nun kann man vielleicht noch kritisieren, dass alle Frauen die an meiner (ohnehin nicht repräsentativen) Umfrage teilgenommen haben, grade im Wochenbett (also im Oxytocin-Overload) waren. „Ja hoffentlich, ich wünsche es euch!“, und gleichzeitig ist es belegt, dass sich die Gründe für ein neues Verhalten mit der Zeit wandeln und Menschen mit einer sog. extrinsischen Motivation (Typ A / B) starten und mit der Zeit die intrinsische Motivation (Typ C) übernehmen kann. Auch wenn das normalerweise länger dauert, als ein zwei Wochen.

Warum ein bisschen Angst vor der Geburt gut sein kann


Wie auch immer du dich grade fühlen magst, ob ängstlich, neugierig, aufgeregt oder eine konfuse Mischung aus beidem, es ist okay. Und es ist natürlich – aber nur, solange es dich nicht zusehr einnimmt, sonst sprich bitte mit deiner Hebamme darüber (erinnere dich, das ist eine Stärke, Schwester, keine Schwäche).

Wenige Wochen vor der Geburt, wenn der Mutterschutz einsetzt, haben wir plötzlich Zeit und die Ruhe, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Manche lenken sich auch gerne mit letzten Shopping-Runden ab, manche nutzen diese Zeit aber auch ganz bewusst, um in sich hinein zu horchen. Und ich glaube, dass das (letztere) genau richtig ist. Dann überrascht uns die Angst nicht während der Geburt, sondern wir begegnen ihr schon vorher. Gemütlich, beim Kräutertee.

In diesem Kribbeln, dem Ungewissen und auch in diesen vielleicht teilweise beängstigenden Gedanken liegt eine Kraft. Eine Kraft, die dazu antreiben kann, Veränderungen anzustoßen und Dinge anders zu machen. Ein schöner Gedanke, finde ich, wo doch bald so viele Veränderungen anstehen. Oder?

Warum die Louwen-Diät auch Angst machen kann

Das hätte jetzt ein kitschiges Ende werden können, aber mir ist noch etwas ganz wichtig, was ich in diesem Artikel ansprechen möchte: Ich finde, dass die sog. Louwen-Diät auch Angst machen kann. Nämlich dann, wenn Frauen es ganz besonders richtig oder ganz besonders gut machen wollen.

Ich kann sagen: Auch ich hätte fast dazu gezählt (und darum habe ich u. a. Loulou-Wochen gestartet). Obwohl ich mich mit dem Stoffwechsel dank meine Sportstudiums bestens auskenne, wäre ich fast auf die Masche mit „iss bloß keine Kohlenhydrate“ reingefallen.

Ja, ich gestehe: Auch ich hatte Angst vor einer Banane.

Regelmäßig schreiben mir Frauen, ob ich auch Süßkartoffel oder Möhre gegessen habe. Und auch ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, Tag 2 meiner sog. Louwen-Diät: Als Freunde von uns zum Essen geladen hatten und stolz ihr selbstgemachtes Bananeneis präsentierten. Die reinste Bedrohung für mich, damals.

Insulin als Schreckgespenst

Insulin besetzt angeblich die Rezeptoren für Prostaglandine


Kein Wunder! Überall im Internet liest man als Erklärung für die sog. Louwen-Diät, dass Insulin die Rezeptoren der Prostaglandine belegt. Ich habe schon mehrfach Medien angeschrieben und nach der Quelle gebeten – niemand hat sie mir bis heute geschickt (was nicht unbedingt belegt, dass die These erfunden ist).

Was ich kritisiere: Diese Information erzeugt in uns Frauen das Bild von einem „bösen Insulin“. Und zwangsläufig enden dann die Frauen, die es besonders gut machen wollen, irgendwann bei einer Low-Carb-ähnlichen Ernährungsform oder bei komplizierten Glyx-Tabellen (die übrigens nicht für alle Menschen gleich sind, aber das werde ich noch erklären). Und das macht Stress! Adrenalin.

Löst euch bitte von dem Bild, des bösen Insulins :-). Wir brauchen es sogar, sonst sterben wir. Lasst euch lieber davon motivieren, eurem (Hormon-)Stoffwechsel einen Turbo zu verleihen, sodass alles schön rund läuft. Der Körper funktionieren kann. Nehmt Inspiration und Motivation aus meinem Artikel mit, dass eine Ernährung ohne Süßigkeiten, vollkornbasiert und Stärke-arm, ausgeglichen und glücklich machen kann. Physiologisch (körperlich) und psychologisch ist das belegt.

PS: Auch Frauen, die nicht die Louwen-Diät machen, sind nicht Schuld

Das ist noch etwas. Etwas ganz wichtiges, hinter das ich fünfhundert Ausrufezeichen setzen könnte: Keine Frau ist Schuld, wenn sie eine negative Geburtserfahrung gemacht hat, und nicht die Louwen-Diät gemacht hat. Ich sage ja immer, dass jede Frau in sich hinein horchen soll. Und manche kommen eben zu dem Ergebnis, dass die sog. Louwen-Diät nicht das Richtige ist. Und damit haben diese Frauen dann auch recht.

Warum ich die Louwen-Diät wieder machen würde

Schnell zurück zu meiner Geschichte und dann ist auch ende hier. So wie die 91 % der Frauen oben in meiner Umfrage, würde ich jedenfalls die sog. Louwen-Diät immer wieder machen. Und zwar darum:

  • Noch nie in meinem Leben zuvor hatte ich geschafft, mich so lange so gesund zu ernähren.
  • Ich habe Tricks und Rezepte verinnerlicht, die ich (außer im Wochenbett ;-)) danach bis heute beibehalten habe und auch an mein Kind authentisch weitergebe.
  • Mir hat die sog. Louwen-Diät das Gefühl gegeben, etwas Sinnvolles tun zu können.
  • Und sie hat mein Kompetenz-Erleben und mein Selbstwertgefühl extrem gepusht.
  • Ich fühlte mich selbstbestimmt und war bereit für alles, was unter der Geburt passieren würde.

Ich wusste damals: Ich war die beste Version von mir, die ich sein konnte. In meiner Mitte. Zufrieden. Zuversichtlich. Und ich war extrem stolz.

Eine gute Zeit dir und von herzen alles Liebe
Loulou


*Mehr Transparenz zur Louwen-Diät, bitte 🙂

Damit du Bescheid weißt: Die sognenannte Louwen-Diät ist kein gesicherter Begriff sondern eine durch Medien und Erzählungen verbreitete erfundene Bezeichnung. Was stimmt ist, dass es einen sehr erfahrenen und renommierten Geburtsmediziner Prof. Dr. Frank Louwen gibt, der sich auf seinen Vorträgen für Fachpersonal der Geburtsmedizin und werdende Eltern studienbasiert für eine zuckerarme Ernährung in der Schwangerschaft einsetzt. Aber: Weder nennt er selbst seine Empfehlungen „Louwen-Diät“, noch wirbt er damit, eine spezielle Ernährungsform erfunden zu haben. Ich schreibe hier auf meinem Blog über die sognennante Louwen-Diät, weil ich persönlich davon überzeugt bin, dass sich dahinter richtige und wichtige Prinzipien und Studien verbergen – und ich (aus Sicht der Gesundheitsförderung) eine große Chance darin sehe, dass Frauen über diesen Trend zum vielleicht ersten Mal erfahren, wie gut sich gesunde Ernährung anfühlen kann. Eben, weil das anstehende Ereignis „Geburt“ eine große Motivation sein kann, ein neues Verhalten auszuprobieren. Und selbst so ein „Mythos“ wie die Louwen-Diät kann bei der Motivation helfen, aber auch schaden, wenn Frauen Angst haben, die sogenannte Louwen-Diät „falsch“ zu machen und z. B. im Zweifel lieber zu wenig essen. DAS ist gefährlich. Ich benutze den Begriff „Louwen-Diät“ also bewusst und lediglich, damit Frauen meine Artikel finden und ich erklären kann, wie ich die Sache sehe, welche Erfahrung ich damit gemacht habe und welche Meinung ich dazu habe.

Quellenangaben

  1. Esch, T. (2018). Der Selbstheilungscode, Die Neurobiologie von Gesundheit und Zufriedenheit. München: Wilhelm Goldmann Verlag. S. 77 ff. ↩︎
  2. Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. New York: Plenum Press.  ↩︎
Consent-Management-Plattform von Real Cookie Banner