3 Tipps, wie du die Louwen-Diät in der Plätzchenzeit überstehst

Keine Plätzchen in der Louwen-Diät

„Hilfe, die Plätzchenzeit beginnt – was mache ich beim Kaffeekränzchen mit Oma?“ Neulich fragte mich jemand auf Instagram, ob ich einen Tipp für die Louwen-Diät beim Kaffeekränzchen mit anderen hätte. Erstens: Das kenne ich. Und zweitens: Hab ich. In diesem Blogartikel möchte ich dir erklären, warum es ganz normal ist, dass das Zucker-Entsagen in diesen Situationen schwer fällt und was du tun kannst.

Hilfe, es weihnachtet sehr! Plätzchenzeit und Louwen

Egal, ob es Weihnachtsplätzchen sind, ein Stück Kuchen – oder damals vielleicht auch der Alkohol. Manchmal fordert unser Umfeld uns regelrecht heraus, unser geplantes Verhalten zu unterbrechen. „Eine Ausnahme“ zu machen, weil jemand anderes es gerne von uns möchte. (Selbst zu beschließen, eine Ausnahme zu machen, ist etwas ganz anderes.)

Ein Beispiel: Ich behaupte mal einfach, dass Menschen Alkohol generell noch ungesünder als Zucker einschätzen. Und trotzdem wurde ich selbst bei meinem Alkohol-Verzicht bei Freundinnen-Abenden oft herausgefordert, „doch einen mitzutrinken“. Obwohl ich es nicht wollte. Ja, es kostete mich sogar echt viel Energie, dabei zu bleiben, dass ich keinen Alkohol trinken wollte. Manchmal endete die Diskussion dann mit einer unangenehmen Schweigepause.

Komisch, oder? Wo es doch meine Freundinnen waren, mit denen ich da am Tisch saß. Vielleicht kennst du die Sitiation von damals und heute begegnet sie dir in der sogenannten Louwen-Diät im Umgang mit Süßigkeiten.

Die Top drei Tatorte sind sicherlich: Mädelsabend, Kaffeekränzchen oder Fernsehabend. Worst-Case: Weihnachtszeit. Aber keine Panik. Hier kommt Hilfe.

Wieso die Louwen-Diät manchmal so schwer fällt

Vielleicht hilft es schon mal, wenn ich dir sage, dass diese Situation sicherlich alle Frauen in der sog. Louwen-Diät einmal erfahren. Mehr noch: Ich bin mir sicher, dass jeder Mensch diese Erfahrung macht, wenn er*sie sein Verhalten ändern möchte. Und wenn ich dir jetzt erkläre, dass das ganz natürlich ist, dann geht es dir hoffentlich besser. Spätestens aber – bei meinen Erste-Hilfe-Tipps (dazu komme ich noch).

Motivation baut auf drei Grundbedürfnissen

In der Wissenschaft über Motivation gibt es ein sehr bekanntes Forscher-Team: Deci, E. L., und Ryan, R. M. In ihren Arbeiten versuchen sie zu erklären, warum manche Verhaltensänderungen leicht fallen und andere schwer. Warum manche Menschen sich leichter tun und andere schwerer. Und welche Gelegenheiten die kosequente Zielverfolgung begünstigen und welche sie behindern. Eine der bekanntesten Theorien dieser Forscher ist die sogenannte Selbst-Determinationstheorie (1985).1

Sie erklärt, dass wir die Motivation für ein neues Verhalten aus drei Grundbedürfnissen ziehen:

  1. Kompetenz: Wir möchten möglichst kompetent oder wirksam handeln
  2. Automonie: Wir möchten möglichst aus freien Stücken heraus handeln
  3. Verbundenheit: Wir möchten Zuneigung und Fürsorge von anderen erfahren und anderen geben

Das Grundbedürfnis nach Verbundenheit

Und wenn wir nun beim Kaffeekränzchen mit der Oma sitzen kommen wir in eine Zwickmühle. Denn wir können nicht alle Grundbedürfnisse erfüllen, weil sie sich widersprechen. Einerseits möchten wir unserem Plan treu bleiben, keinen Zucker zu essen – und andererseits wissen wir, wie sehr sich Oma freuen würde, wenn wir mit ihr das leckere Stück Sahnetorte zusammen genießen würden. Es kann sogar noch schwieriger werden, wenn wir sogar darum fürchten müssen, dass Oma unsere Kompetenz ankreidet: „Sei nicht so streng zu dir“, oder „Louwen-Diät? Schon wieder so ein komischer Trend?“

Meine Tipps, wie du die Situation lösen kannst

Manchmal hört man an dieser Stelle diesen gut gemeinten Tipp: „Hör auf, allen gefallen zu wollen.“ Gut gemeint. Aber nutzlos. Denn wie ich dir grade erklärt habe, ist das Gefallen-Wollen ein Grundbedürfnis nach Verbundenheit. Wie geht es also wirklich?

1. Ordne deine Werte & Prioritäten

Wie so oft im Leben, müssen wir einfach Stellung beziehen. Das heißt, du musst für dich unbedingt deine Prioritäten setzen. Das klingt in unserer Gesellschaft häufig nach etwas Schlechtem. Stimmt, es ist anstrengend. Aber es ist wichtig und absolut hilfreich (auch für das Leben mit Kind). 😉 Denn an unseren Prioritäten bildet sich auch unser Gewissen. Und von Erich Fromm habe ich gelernt, dass es mir meist dann schlecht geht, wenn ich nicht nach meinem Gewissen handle.

Wenn wir uns nicht gut fühlen, liegt die Ursache oft in Gewissens-Konflikten.

Nur wenn du deine Werte kennst und für dich also wirklich weißt, was dir heute oder im Moment wichtig ist, kannst du auch danach dein Handeln bestimmen. Es umsetzen und gegenüber anderen erklären. Wenn das Kuchenessen mit Oma also eines der schönsten Rituale seit Kindheitstagen ist und es – warum auch immer, dir viel bedeutet, dann ist es ok. Nein es ist sogar absolut richtig, dann zum Kuchen zu greifen und den Moment zu genießen. Wollen wir mal den Teufel nicht an die Wand malen, aber dein Gewissen würde es wahrscheinlich nicht ertragen, wenn es das letzte Kuchenessen mit Oma gewesen sein sollte.

Andersherum kann es aber auch sein, dass es für dich im Moment einfach so wichtig ist, dich gesund zu ernähren, und den Zucker wegzulassen. Z. b. weil du im Moment deine eigene Gesundheit und die deines Babys höher priorisierst als die Glückseligkeit deiner Oma, dann ist das auch ok. Es wird trotzdem nicht einfach, es deiner Oma zu erklären, aber vielleicht hilft da mein Tipp Nummer 2.

2. Die richtigen Worte finden

Bestimmt schon oft gehört, aber wichtig: Ich-Botschaften. So ein Tatort ist eine heikle angelegenheit. Man will niemandem auf den Schlips treten und irgendwie hat man für alle Verständnis. Gut, dass wir schon Schritt nummer 1 gelernt haben: sich selbst gerecht sein.

Die eigene Position, die eigenen Bedürfnisse oder das eigene Verhalten zu erklären gelingt am einfachsten ohne Konfligt, wenn man ausdrückt, was einem selbst wichtig ist. Z. B. könntest du zu deiner Oma sagen: Oma, mir ist das im Moment sehr wichtig und ich fühle mich gut damit. Auch das kann das Bedürfnis nach Verbundenheit stillen.

3. Entschlossen auftreten

Manchmal hat aber auch Oma einen schlechten Tag und lässt sich nicht auf deine tolle, super psychologisch-streberhafte Ich-Botschaft ein. Dann habe ich noch einen dritten Tipp: Entschlossen auftreten.

Ich habe dir oben die drei Grundbedürfnisse hinter der Motivation für ein Verhalten erklärt. In meinem dritten Tipp versuche ich, deine Bedürfnisse nach Kompetenz und Autotnomie besonders zu füttern. Damit der Durst nach Verbundenheit nicht so schwer ins Gewicht fällt.

Wenn du also sicher bist, dass das Entsagen des Plätzchens oder Tortenstück für dein Gewissen der richtige Weg ist. Dann sei auch stolz darauf. Zeige eine stolze Brust, sprich laut und deutlich. Spiel dein ganzes Wissen über die sog. Louwen-Diät aus oder bring Plätzchen mit, die dir im Moment mehr gut tun, als andere. Lass andere nicht denken, dass deine Hebamme, deine Ärztin oder irgendeine Tante aus dem Internet (ich meine mich) dir diese Ernährung aufgedrückt hätte.

Es gibt in diesem Moment einfach keinen Grund, dich zu schämen, deine Bedürfnisse hinten anzustellen oder dich kleinzureden. Du entscheidest, was das Beste für dich ist. Du kennst dich selbst am besten. Deine Bedürfnisse sind wichtig.

  1. Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. New York: Plenum Press. ↩︎
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